1/3 > 2 3

Geschichte des Kommunalen Kinos Achim

 

Am 27. April 1978 fand die erste, noch von der Stadt Achim unmittelbar getragene Filmvorführung des Kommunalen Kinos statt. Mit dem Film »Herzflimmern« von Louis Malle, der in den Corso-Lichtspielen gezeigt wurde, »war die erfolgreiche Arbeit des Kommunalen Kinos eingeleitet« (aus dem Grußwort der Stadt Achim vom Mai 1983)

Die inhaltliche und organisatorische Verantwortung lag zunächst in den Händen von Wolfgang Griep und Ingeborg Claußen. Ein Jahr später löste aber der Film »Was heisst ‘n hier Liebe?«, der in zwei überfüllten Vorstellungen gezeigt wurde, einen regelrechten »Skandal« aus.

 

»… Was von den 10- und 11-jährigen staunend, von den Jugendlichen mit Johlen und Zustimmung aufgenommen wurde, verschlug den Eltern fast die Sprache oder löste Empörung aus … In dem Film propagiert das Berliner Theater »Rote Grütze« den Lustgewinn ohne Reue oder Hemmungen … Gefragt werden muss aber der Stadtrat, welche Ziele mit dem Kommunalen Kino verfolgt werden, wer die Filme auswählt und wer die Genehmigung zum Aushang in Schulen erteilt …«

(aus einem Leserbrief vom 19.6.1979 im Achimer Kreisblatt).

 Daraufhin beschloss die FDP-Fraktion, das Thema »kommunales Kino« im Ausschuss für Sport, Kultur und Freizeit behandeln zu lassen. Sie beantragte, dass die Filme vor Aufführung durch die Kulturabteilung der Verwaltung angesehen beziehungsweise geprüft werden. Auch der neu gegründete Elternverein forderte eine Beteiligung bei der Auswahl der Filme. Nur so könne der Eindruck einer parteilichen Auswahl der Filme durch den Kulturausschuss beseitigt werden. Die CDU-Stadtratsfraktion nahm die Diskussion um den Aufklärungsfilm zum Anlass, um zunächst einen Antrag und später noch eine Anfrage zum selben Thema an den Bürgermeister zu adressieren. Die CDU forderte, bei der Auswahl des Programms auch Eltern, Lehrer, interessierte Vereine und Verbände mitreden zu lassen.


 

Das Ergebnis dieser Querelen bestand in der Gründung des Vereins »Kommunales Kino Achim« am 15. November 1979, bei der noch einmal die Ziele des Kinos fixiert wurden.

»… Unser Programm richtet sich nach inhaltlichen Gesichtspunkten, reduziert den Film nicht auf seinen reinen Unterhaltungswert. Wir wollen das Bewusstsein nicht einschläfern, sondern aufrütteln, wollen vor allem unliebsame, kritische, gesellschaftspolitisch wichtige Filme zeigen. Dazu gehört zum ersten, dass wir die einzelnen Filme zu sinnvollen Themenblöcken bündeln, um Verbindungslinien aufzuzeigen, Einzelaussagen zu bestätigen oder zu konfrontieren, Diskussionsansätze zu schaffen. Dazu gehört zweitens, dass wir die Filme in ihrem Themenzusammenhang in Programmheften ausführlich erläutern; und dazu gehört drittens eine Nachbereitung, die in Form von Diskussionsveranstaltungen zu einzelnen Themenbereichen Bestandteil des Kommunalkinoprogramms werden sollte.«
 


Das Kommunale Kino spielte sein Programm bis Ende 1980 in den Corso-Lichtspielen. Zu diesem Zeitpunkt gab Max Stanitzek das Kino auf, da es zu einem Zuschussbetrieb geworden war.

 

Nachdem das Kommunale Kino über 9 Jahre lang, von Januar 1981 bis April 1990, zu Gast im Odeon am Schmiedeberg war, bekam es im neu errichteten Kulturhaus »Alter Schützenhof« endlich eine eigene Spielstätte. Der Film »Clockwise« eröffnete das Programm am 29.4.1990. Nach 13 1/2jähriger Tätigkeit gab Wolfgang Griep im Herbst 1991 aus beruflichen Gründen den Vorsitz des Vereins ab. Der neu gewählte Vorstand beschloss, einige Veränderungen vorzunehmen. So wurde der Spielbetrieb von bisher 14tägig auf wöchentlich umgestellt, die Programmstruktur um zwei neue Reihen erweitert und die starren Stuhlreihen durch kleine runde Tische ersetzt, um dem Kino eine andere Atmosphäre zu geben. Insbesondere der »Arbeitskreis Junges Kino«, der von Achimer Schülern initiiert wurde, trug dazu bei, dass sich das Filmangebot des Kommunalen Kinos verbreiterte und so neue Zuschauerschichten angesprochen wurden.


Mit zusätzlichen Veranstaltungen wie der »Beatles-Nacht« im Oktober 1992, bei der nicht nur Beatles-Filme gezeigt wurden, sondern auch Live-Musik von den »Mushroams« für die richtige Stimmung sorgte, wurde für das Kino im Kulturhaus geworben.
 

Im April 1993 konnte das Kommunale Kino seinen 15. Geburtstag feiern.
»Nur noch eine handvoll Stummfilmmusiker gibt es in Deutschland. Einer davon ist Dr. Werner Loll aus Eckernförde. Der promovierte Musikwissenschaftler spielte bei der Geburtstagsparty des Kommunalen Kinos. Zum 15jährigen Bestehen des KoKi hatten sich die Vereinsmitglieder etwas Besonderes einfallen lassen: Sie zeigten den zum Klassiker avancierten Stummfilm »Metropolis« von Fritz Lang im Kulturhaus »Alter Schützenhof«. Dieser Film aus dem Jahr 1927 gilt unter Kritikern immer noch als einer der besten deutschen Streifen. So standen die Filmfans auch bereits eine halbe Stunde vor Beginn an, um noch eine Karte zu ergattern. Doch die 90 Plätze im Saal waren schnell besetzt, einige interessierte Besucher mussten abgewiesen werden. Die aber dabei waren, fühlten sich durch das Flackern der Bilder, die zeitweise schnellen Bewegungen der Schauspieler und die Klaviermusik in die zwanziger Jahre zurückversetzt…« (Achimer Kurier, 4.5.1993)

 

1/3 > 2 3